Fülszöveg
Boris Pasternak
wurde am 10. Februar 1890 in Moskau als Sohn eines bedeutenden Malers und einer Konzertpianistin geboren. Seine Interessen galten zunächst der Musik. Bald aber widmete er sich in Moskau und Marburg dem Studium der Rechtswissenschaften und der Philosophie. Auf Reisen lernte er die Schweiz und Italien kennen. Seine ersten Gedichtbände erschienen 1914 und 1917. Sie begründeten seinen Ruhm, so daß er in den zwanziger Jahren auch außerhalb Rußlands als der bedeutendste Lyriker des nachrevolutionären Rußland galt. Vom Jahr 1934 an veröffentlichte er jedodi außer hervorragend guten Übersetzungen der "Werke Shakespeares, Goethes, Rilkes, Ver-laines und deutscher Expressionisten nichts mehr. Als infolge des Krieges der seelische Druck nachließ, wagte er sich 1943 wieder mit eigenen kleineren Arbeiten hervor. 1945 begann er sein Hauptwerk »Doktor Sdiiwago«, an dem er fast neun Jahre arbeitete. Ais er 1958 den Nobelpreis erhielt, mußte er diese hohe Auszeichnung ablehnen....
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Fülszöveg
Boris Pasternak
wurde am 10. Februar 1890 in Moskau als Sohn eines bedeutenden Malers und einer Konzertpianistin geboren. Seine Interessen galten zunächst der Musik. Bald aber widmete er sich in Moskau und Marburg dem Studium der Rechtswissenschaften und der Philosophie. Auf Reisen lernte er die Schweiz und Italien kennen. Seine ersten Gedichtbände erschienen 1914 und 1917. Sie begründeten seinen Ruhm, so daß er in den zwanziger Jahren auch außerhalb Rußlands als der bedeutendste Lyriker des nachrevolutionären Rußland galt. Vom Jahr 1934 an veröffentlichte er jedodi außer hervorragend guten Übersetzungen der "Werke Shakespeares, Goethes, Rilkes, Ver-laines und deutscher Expressionisten nichts mehr. Als infolge des Krieges der seelische Druck nachließ, wagte er sich 1943 wieder mit eigenen kleineren Arbeiten hervor. 1945 begann er sein Hauptwerk »Doktor Sdiiwago«, an dem er fast neun Jahre arbeitete. Ais er 1958 den Nobelpreis erhielt, mußte er diese hohe Auszeichnung ablehnen. Von da an lebte er unweit Moskaus wie ein Verbannter in seinem Landhaus in Peredjelkino, wo er am 30. Mai 1960 starb.
BORIS PASTERNAK
Doktor Schiwago
Kein Budi der letzten Jahrzehnte hatte ein so seltsames und einmaliges Schicksal wie Pasternaks großer und bedeutungsvoller Roman. Es gehörte Mut und Selbstverleugnung dazu, ihn zu Papier zu bringen, aber der russische Dichter mußte wohl gerade dieses Buch sich von der Seele schreiben, und deshalb ist es so echt und in tiefstem Sinne wahr. Daß es in der Sowjetunion nicht erscheinen konnte, ist verständlich, daß es aber überhaupt gedruckt wurde, mutet wie die ausgleichende Gerechtigkeit einer höheren Macht an. Pasternak begann den Roman im Jahr 1945 nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, und er schrieb daran bis zum Jahr 1954. Eine sowjetische Zeitschrift kündigte bereits sein Erscheinen an, denn damals erhoffte man sich eine Zeit größerer geistiger Freiheit, das Anbrechen der sogenannten »Tauwetterperiode«. Doch die Drucklegung wurde immer wieder hinausgezögert, bis es nach drei Jahren endgültig klar war, daß dieses Buch im kommunistischen Rußland nie veröffentlicht werden würde. Auf abenteuerlichem Weg gelangte das Manuskript nach Mailand, wo es 1958 erstmalig in italienischer Sprache erschien. Es hatte sofort einen überwältigenden Erfolg, und schlagartig wurde Pasternaks Name in aller Welt bekannt. Bald danach erhielt Pasternak die höchste Auszeidinung, die einem Dichter unserer Tage zuteil werden kann, den Nobelpreis. Doch Pasternak mußte die hohe Ehre zurückwei-
sen »mit Rücksicht auf die Gesellschaft, in der icb lebe«. Zahlreidie Übersetzungen des Werkes folgten, und heute gibt es wohl kein Kulturland auf der Erde — ausgenommen freilich die Staaten des Ostblocks —, wo Pasternaks »Doktor Schiwago« nicht gelesen würde.
Der Roman ist wie ein Spiegel des russischen Lebens von der Jahrhundertwende angefangen bis in die Gegenwart. Mit starker Realistik, aber immer als feinsinniger, überlegener Geist, berichtet dér Dichter, was russische Menschen in den entscheidenden ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts ersehnten und erlitten. Mit ungewöhnlicher dichterischer Einfühlungsgabe ist die Atmosphäre jener Zeit eingefangen worden. Das ewige Rußland, das unzerstörbare, ist unmittelbar zu spüren. Durch diesen Roman gewinnt man einen nachhaltigen Einblick in das russische Wesen von heute. Aus dem weiten Land im Osten ist die Stimme eines freien Geistes von wahrhaft humaner Gesinnung in die Welt hinausgedrungen, und was sich in den Jahren des großen Schweigens nach 1917 in Rußland zutrug, wurde hier verkündet. Das Buch ist aber beileibe keine politische Schmähschrift, denn nicht Haß hat es diktiert, sondern Liebe zu Rußland und seinen Menschen. Friedrich Sieburg sagt über das Werk: »Es ist zu uns gekommen wie ein Flüchtling oder, genauer gesagt, wie ein Pilger. In ihm ist keine Furcht und kein Lachen, aber eine Gewißheit von der Unverlierbarkeit des Menschen, solange er zu lieben versteht.«
Vissza