Fülszöveg
CARL ZUCKMAYER
Die Fastnachtsbeichte Engele von Löwen
2wei Erzählungen
Es wird immer wieder behauptet, unsere Zeitgenossen verstünden weder gutgebaute Novellen zu schreiben, nodi fänden sie Geschmack daran, sie zu lesen. Carl Zuckmayer beweist das Gegenteil: er kann schreiben, und er versteht es, seine Leser zu packen. »Die Fastnachtsbeichte«, eine der jüngsten Arbeiten des Dichters, ist ein treffliches Beispiel dafür. Keinen Lesenden wird es geben, der sich der geradezu unheimlichen Gewalt dieser Erzählung entziehen könnte, die wie ein Kriminalreißer beginnt und die dennoch an letzte Fragen der menschlichen Beziehungen rührt und alle Beteiligten zu rückhaltlosem Bekennertum zwingt. Anfang und Ende dieser spannungsgeladenen Erzählung führen in den Mainzer Dom. Am Fastnachtssamstag des Jahres 1913 bricht ein junger Mensch mit den Worten »Ich armer, sündiger Mensch« tot im Beichtstuhl zusammen, ein Stilett steckt ihm zwischen den Schulterblättern, und am Aschermittwoch beendet...
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CARL ZUCKMAYER
Die Fastnachtsbeichte Engele von Löwen
2wei Erzählungen
Es wird immer wieder behauptet, unsere Zeitgenossen verstünden weder gutgebaute Novellen zu schreiben, nodi fänden sie Geschmack daran, sie zu lesen. Carl Zuckmayer beweist das Gegenteil: er kann schreiben, und er versteht es, seine Leser zu packen. »Die Fastnachtsbeichte«, eine der jüngsten Arbeiten des Dichters, ist ein treffliches Beispiel dafür. Keinen Lesenden wird es geben, der sich der geradezu unheimlichen Gewalt dieser Erzählung entziehen könnte, die wie ein Kriminalreißer beginnt und die dennoch an letzte Fragen der menschlichen Beziehungen rührt und alle Beteiligten zu rückhaltlosem Bekennertum zwingt. Anfang und Ende dieser spannungsgeladenen Erzählung führen in den Mainzer Dom. Am Fastnachtssamstag des Jahres 1913 bricht ein junger Mensch mit den Worten »Ich armer, sündiger Mensch« tot im Beichtstuhl zusammen, ein Stilett steckt ihm zwischen den Schulterblättern, und am Aschermittwoch beendet ein anderer — stellvertretend für den Toten und für alle — die Beichte. Die Stunde der Demas-kierung ist gekommen, die Menschen enthüllen ihr wahres Gesicht, ihr Gewissen. Wie Zuckmayer diesen Stoff formt und wie er die Menschen und die vielerlei Szenerien sdiildert, verdient nur ein Attribut: meisterhaft.
Einige Stimmen aus dem Urteil der Presse:
»Die Story ist erzählt von einem Manne, der vom Geschiditener-zählen besessen ist. . . Ich werde mich hüten, den Inhalt der Geschichte wiederzugeben. Lest das Buch!« Ernst von Saloman, »Die Zeit', Hamburg
»Die Erzählung ist weit mehr als eine Kriminalgeschichte, obwohl sie durch ihre Folgerichtigkeit, durch die Schärfe der Motivierungen und durch die unerwarteten, aber logisch begründeten Wendungen auch als solche mustergültig wäre.«
»Stuttgarter Zeitung^
Wie die »Fastnachtsbeichte« ist auch die zweite Erzählung dieses Bandes, die Geschichte des »En-gele von Löwen«, verfilmt worden. Angeline, ein junges belgisches Mädchen, ist bei der Zerstörung von Löwen im Jahr 1914 heimatlos geworden. Aber trotz allem Schmutz und Kriegselend, trotz allen Demütigungen und Qualen, die sie erlebt und erleidet, bleibt ihr Herz rein, und sie bewahrt sich ihre Liebe zu einem deutschen Leutnant. Es ist eine zarte, rührende Liebesgeschichte, einfach und lebendig erzählt, aber niemals — wie könnte dies bei Zuckmayer überhaupt sein? — sentimental oder unecht. Eine Kostbarkeit für jeden Liebhaber echter Dichtung.
^^mmer stärker wird mein Bedürfnis, die Dinge und die Erscheinungen, die Welt und die Mitmenschen von allen Seiten zu sehen. Immer geringer die Neigung zum Einseitigen, zum apodiktischen Urteil, sei es Völkern, Personen, Ereignissen gegenüber. Nicht daß ich das Häßliche und Gemeine nicht hassen kann, da ich das Schöne und Gute liebe. Solange der Mensch lebt und liebt, wird er auch da, wo seine Scheu zur Abscheu wird, hassen und verachten. Aber im Haß muß noch die Ahnung der möglichen Liebe stecken, im Verachten noch die Sehnsucht nach Verehren, und die Liebe selbst muß stets bereit sein, sich aus der Verschwendung zu mehren und zu erneuern.
Es kann nie zuviel Liebe geben auf der Welt, höchstens zuwenig, und wo sie spart oder abmißt, geht sie bald an der Auszehrung ein.
Carl Zuckmayer
Vissza