Fülszöveg
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Der Besuch der alten Dame i,;^
»Reisenden, die ihren Weg über die Strecke Kalberstadt - !^
Kaffigen nehmen, wird hiermit dringend empfohlen, in fe
Güllen nicht auszusteigen. Das Güllener Wirtschaftswunder L
mit seinem kulturellen Aufschwung und seinem ganzen Wohlstand beruht auf einem Mord, verübt von den Einwohnern des freundlichen Städtchens an ihrem 65jährigen Mitbürger Alfred III, welcher nicht besser und nicht schlechter . war als sie. Er hatte nur das Pech, vierzig Jahre zuvor an eine junge Güllnerin namens Kläri Wäscher zu geraten, die nachmals, von ihm geschwängert und sitzengelassen, in die Welt hinausging und dort zur Multimillionärin Ciaire Zachanas-sian wurde. Als solche erscheint sie jetzt wieder in Güllen und wünscht, daß Alfred Iii getötet werde Es ist durchaus ein Besuch aus dem Diesseits, der in Güllen eintrifft. Es ist die alte Dame Korruption, die sich am Schluß des ersten Aktes mit einem teuflisch siegessicheren >Ich warte!< ins Hotel zurückzieht, es...
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Der Besuch der alten Dame i,;^
»Reisenden, die ihren Weg über die Strecke Kalberstadt - !^
Kaffigen nehmen, wird hiermit dringend empfohlen, in fe
Güllen nicht auszusteigen. Das Güllener Wirtschaftswunder L
mit seinem kulturellen Aufschwung und seinem ganzen Wohlstand beruht auf einem Mord, verübt von den Einwohnern des freundlichen Städtchens an ihrem 65jährigen Mitbürger Alfred III, welcher nicht besser und nicht schlechter . war als sie. Er hatte nur das Pech, vierzig Jahre zuvor an eine junge Güllnerin namens Kläri Wäscher zu geraten, die nachmals, von ihm geschwängert und sitzengelassen, in die Welt hinausging und dort zur Multimillionärin Ciaire Zachanas-sian wurde. Als solche erscheint sie jetzt wieder in Güllen und wünscht, daß Alfred Iii getötet werde Es ist durchaus ein Besuch aus dem Diesseits, der in Güllen eintrifft. Es ist die alte Dame Korruption, die sich am Schluß des ersten Aktes mit einem teuflisch siegessicheren >Ich warte!< ins Hotel zurückzieht, es ist die alte Dame Versuchung, die alte Dame Spekulation auf menschhche Schwäche, auf menschliche Gier - auf die menschliche Bereitschaft, sich auch an Unmenschliches und als unmenschhch Erkanntes zu gewöhnen. Und die Reaktion der Güllener Bürger ist die virulent gewordene Ausrede für diese Bereitschaft.
Wer sich noch nie einer solchen Ausrede bedient hat, wer um äußerer Vorteile willen (bestünden sie auch nur im Uberleben) noch nie bereit war, sich mit menschenunwürdi- [
gen Zuständen abzufinden oder sie mitzuschaffen - wer, kurzum, vor solch alter Dame noch nie in die Knie gegangen ist: der werfe den ersten Akt nach ihr und verlasse hierauf das Theater. Die andern sind gehalten, bis zum bitterbösen Ende auszuharren.« Friedrich Torberg / Neuer Kurier, Wien
»Eines der anregendsten und fesselndsten aller Stücke, die seit dem Zweiten Weltkrieg geschrieben worden sind. Der Besuch der alten Dame war 1956 Dürrenmatts erster internationaler Erfolg, und in den seither vergangenen Jahren hätte das Stück leicht seinen geheimnisvollen moralischen Sinn und seinen faszinierenden intellektuellen Glanz verlieren können. Nichts von alledem. Es ist eine Moralität für Intelligente gebHeben und gleichzeitig ein ungeheuer unterhaltsames Stück.« Clive Barnes / The New York Times
»Eine der hervorragendsten Errungenschaften des zeitgenössischen Welttheaters.« Tryhuna Ludu, Warschau
Vissza