Fülszöveg
Traditionelle Religionen passen sich nin^ langsam an, so daß neue religi()se Ideen oft außerlialb der etablierten Institutionen propagiert werden. Gerade das zwanzigste Jalirliinidert ist geprägt von einer in der Geseliicli-te noch nie dagewesenen, weltweiten Entfaltung religiös motivierter AMivi-täten; insbesondere ist überall ein Aufsprießen religiöser und kultischer Bewegimgen verscliiedenster Art zu beobachten, die innovativ auf die Gesellschaft insgesamt wirken. Die nia-terialistische oder auch meclianisti-sclie Sichtweise des Menschen und des IJniversiuns \vird heute mehr tmd mehr dtu'ch Denloiiodelle abgelöst, die «spiritxtelle» Elemente enthalten.
Kulte tmd neue Religionen sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen, alte Religionen wie das Hexentum und okkulte Strömungen sind zu neuem Leben erwacht, imd Missionare aus Asien haben erfolgreich hinduistisches, buddhistisches und islamisches Gedankengut im Westen verbreitet. Das Entstehen neuer religiöser...
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Traditionelle Religionen passen sich nin^ langsam an, so daß neue religi()se Ideen oft außerlialb der etablierten Institutionen propagiert werden. Gerade das zwanzigste Jalirliinidert ist geprägt von einer in der Geseliicli-te noch nie dagewesenen, weltweiten Entfaltung religiös motivierter AMivi-täten; insbesondere ist überall ein Aufsprießen religiöser und kultischer Bewegimgen verscliiedenster Art zu beobachten, die innovativ auf die Gesellschaft insgesamt wirken. Die nia-terialistische oder auch meclianisti-sclie Sichtweise des Menschen und des IJniversiuns \vird heute mehr tmd mehr dtu'ch Denloiiodelle abgelöst, die «spiritxtelle» Elemente enthalten.
Kulte tmd neue Religionen sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen, alte Religionen wie das Hexentum und okkulte Strömungen sind zu neuem Leben erwacht, imd Missionare aus Asien haben erfolgreich hinduistisches, buddhistisches und islamisches Gedankengut im Westen verbreitet. Das Entstehen neuer religiöser Bewegungen kann als ein Aspekt einer erneut auflebenden Spiritualität betrachtet werden, die zu einer «Wiederverzaubenmg» der Welt fuhrt. Der Soziologe Max Weber hat den Begriff der «Entzauberung der Welt» elngefahrt. Mit «Entzauberung» meinte er, daß die zunehmende Rationalität, die er positiv bewertete, m der westlichen Welt die Elemente der Magie imd der Spiritualität nicht nur aus den Denkmechanismen, sondern auch aus dem Alltagsleben des Diu-chschnlttsmenschen hinweggefegt hat. Die Aufkiänmg hatte freilich noch kaum ihren Höhepunkt erreicht, als mit dem Aufkonunen der Romantik schon eine Gegenbewegung einsetzte. Geister, Hexen imd schwarze Magie kehrten nicht nur in der phantastischen Literatur, sondern auch in der Wiederbelebung und dem Aufblühen neuer Geheüngesellschaften xmd anderer Bewegtmgen wieder, tmd während des ganzen Mittelalters gab es eme «esoterische» Kultur, eme spirituelle, mystische Kultur, die trotz vieler Verfolgimgen Jahrhimderte «im Untergrund» überdauert hat. In jeder Epoche gibt es Menschen, die zu einer persönlichen Begegnung mit «Gott>> vordringen. Sie können Anhänger um sich scharen und ihre
Gcoflfrey K. Nelson lehrt als Dozent fur Soziologie am PohlecluiiJimn der City of Birmingham. Er hat zahlreiche i\ibciten über Religionssoziologie veröffentlicht und ist Autor des Werkes «Spiritualism and Society».
eigenen Organisationen errichten, jedoch nur dann, wenn die ideologische Macht der «Priester» gebrochen ist. Damit religiöse Kreativität in großem Umfang aufblühen kann, muJä die Gesellschaft notwendigerweise säkularisiert und pluralistisch werden. Der Autor imtersucht niui die Frage, warum neue religiöse Bewegimgen zu einer bestimmten historischen Zeit entstehen, welche gemeinsamen Faktoren der Tatsache zugrundeliegen, daß dieses Phänomen weltweit auftritt, welche Funktionen solche Bewegungen itmerhalb einer Gesellschaft oder für die Menschheit überhaupt haben und welche Prozesse zu Entstehung, Wachstum, Niedergang tmd Untergang solcher Bewegimgen fiihren. Die Erwägtmg dieser Probleme führt zur Untersuchung grundsätzlicherer Dinge, die von der Frage nach der Nattu- der Religion und des Menschen bis hin zu den sozialen Beziehimgen führt, die das Gewebe der Gesellschaft selbst bilden. Nelsons Buch ist zugleich eine kritische Auseinandersetzimg mit den bisherigen Versuchen der Soziologie, das ihre zum Verständnis religiöser Bewegimgen beizutragen.
Vissza