Fülszöveg
Man wird Augenzeuge des ersten Wachstums der Hitlerbewegung im Dorf, Die Dichterin hat keine These, die sie illustrieren will. Sie schildert nicht aus einem politischen Willen heraus, obwohl sie genau weiß, wohin sie gehört. Man gewinnt großes Vertrauen zu ihrem Bild, weil man Zeuge eines Naturprozesses zu sein glaubt. Die alten Bauern wollen nicht recht ran. Die Jungen werden verlockt von Uniformen, Autofahrten, Abenteuern und Keilereien. Es ist bei den Alten nicht viel Widerstand da, bei den Jungen ein vielfältiger Betätigungsdrang. Das sind einige Tendenzen des Prozesses, der viele Wurzeln hat, wie alles Lebende.
Anna Seghers erzählt herb, schweigsam, mit seltener, bezaubernder Konzentration. Kein überflüssiges Wort, kein Sentiment, keine Reflektion der Erzählerin. Jedes Gespräch ist sparsam auf seine Grundlinie gebracht. Nach dem Buch „Die Fischer von St. Barbara", nach den „Gefährten" ein neues schönes Buch einer Frau, die zu den wenigen selbständigen jungen deutschen...
Tovább
Fülszöveg
Man wird Augenzeuge des ersten Wachstums der Hitlerbewegung im Dorf, Die Dichterin hat keine These, die sie illustrieren will. Sie schildert nicht aus einem politischen Willen heraus, obwohl sie genau weiß, wohin sie gehört. Man gewinnt großes Vertrauen zu ihrem Bild, weil man Zeuge eines Naturprozesses zu sein glaubt. Die alten Bauern wollen nicht recht ran. Die Jungen werden verlockt von Uniformen, Autofahrten, Abenteuern und Keilereien. Es ist bei den Alten nicht viel Widerstand da, bei den Jungen ein vielfältiger Betätigungsdrang. Das sind einige Tendenzen des Prozesses, der viele Wurzeln hat, wie alles Lebende.
Anna Seghers erzählt herb, schweigsam, mit seltener, bezaubernder Konzentration. Kein überflüssiges Wort, kein Sentiment, keine Reflektion der Erzählerin. Jedes Gespräch ist sparsam auf seine Grundlinie gebracht. Nach dem Buch „Die Fischer von St. Barbara", nach den „Gefährten" ein neues schönes Buch einer Frau, die zu den wenigen selbständigen jungen deutschen Erzählern gehört.
M.
„Das Neue Tagebuch", Paris Nr. 5 vom 3. Februar 1934
Dieses Buch (Der Weg durch den Februar) handelt vom Heroismus der Arbeiter. Sein Gegenstand ist die Klassenschlacht in den Tagen des österreichischen Februar. TEs zeigt die Fruchtbarkeit der Tat.
Dieses Buch ist das reifste der Werke, die Anna Seghers bisher geschrieben hat. Ich sage bisher: denn es enthält, wie eine reife Frucht ihren Samen in sich trägt, das Versprechen, daß die Meisterschaft der Schriftstellerin, einmal erworben, sich in ihren künftigen Werken ebenso bedeutend erweisen werde, zum gegenwärtigen Nutzen der proletarischen Sache und des Kampfes, der das Gesicht unseres Zeitalters bestimmt.
Anna Seghers hat mit diesem Buch die Höhe erreicht und die Bahn betreten, auf der man ein Kunstwerk zur großen Literatur rechnet. Das muß man vor allem sagen.
Karl Schmückle
internationale Literatur", Moskau Heft 10, Oktober 1935
Vissza