Fülszöveg
Der Schilcher ist einer der ältesten Weine Mitteleuropas und wurde wahrscheinlich schon von den Kelten aus einer Wildrebenart gezogen. Es ist relativ leicht, seine „Spur" durch die Jahrhunderte zu verfolgen, wurde er doch aufgrund seiner eigentümlichen und charakteristischen Farbe jeweils besonders erwähnt. In den Rechnungsbüchern und '^Uerverzeichnissen, die in der Steiermark ab dem i6. Jahrhundert geführt wurden, taucht der „Schillerwein" immer wieder auf, und er scheint auch damals schon sehr beliebt gewesen zu sein, fand doch zum Beispiel Pater Laurentius zu Spital am Semmering im Jahre 1659 allen Grund, in sein Weinregister die zärtlichen Worte einzutragen: „Adio, laßt uns trinkhen! Diser Wein galant, storkh und gesundt hat uns wol conducirt, profuit Ach, der wein ist gesundt; moderate getrunkhen hat bevor ain Monath gewert; adio bon vin." Rudolf Lobnig hat es unternommen, eine „Kulturgeschichte" des Schilchers zu verfassen; in seinem kenntnisreichen und zugleich...
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Fülszöveg
Der Schilcher ist einer der ältesten Weine Mitteleuropas und wurde wahrscheinlich schon von den Kelten aus einer Wildrebenart gezogen. Es ist relativ leicht, seine „Spur" durch die Jahrhunderte zu verfolgen, wurde er doch aufgrund seiner eigentümlichen und charakteristischen Farbe jeweils besonders erwähnt. In den Rechnungsbüchern und '^Uerverzeichnissen, die in der Steiermark ab dem i6. Jahrhundert geführt wurden, taucht der „Schillerwein" immer wieder auf, und er scheint auch damals schon sehr beliebt gewesen zu sein, fand doch zum Beispiel Pater Laurentius zu Spital am Semmering im Jahre 1659 allen Grund, in sein Weinregister die zärtlichen Worte einzutragen: „Adio, laßt uns trinkhen! Diser Wein galant, storkh und gesundt hat uns wol conducirt, profuit Ach, der wein ist gesundt; moderate getrunkhen hat bevor ain Monath gewert; adio bon vin." Rudolf Lobnig hat es unternommen, eine „Kulturgeschichte" des Schilchers zu verfassen; in seinem kenntnisreichen und zugleich unterhaltenden Buch beschreibt er die Geschichte des weststeirischen Weinbaues, Leben, Arbeit und Volkskultur der Weinbauern, Persönlichkeiten, die sich um den Schilcheranbau verdient gemacht haben, Handwerkskunst rund um den Schilcher (Glasbläser und Faßbinder), den modernen steirischen Schilcherweinbau; vor allem aber schildert er eingehend die liebliche west-steirische Landschaft mit ihren kleinen Städten, Märkten und Dörfern, Schlössern und Kirchen, von Eibiswald über Stainz und Ligist bis St. Stefan. Ein Kapitel des Gastrokritikers Christoph Wagner über Kulinarisches rund um den Schilcher sowie eine Liste aller der Landeskammer für Land- und Forstwirtschaft angehörenden Schiicherbauern, die Buschenschenken und Flaschenverkaufsstellen betreiben, runden diese mit zahlreichen Photographien von Christof Oswald ausgestattete „Hommage" an den Schilcher ab.
In einem der kleinsten Weinbaugebiete Österreichs reift ein Wein, wie es ihn nur hier und sonst nirgends auf der Welt gibt: der Schilcher. Den Namen hat er von seiner Farbe, die ihn fälschlich als Roséwein gelten läßt: er „schillert" zwischen blaßrosa und dunkelrot, ist aber zweifellos ein Rotwein, wird aus der blauen Wildbachertraube gepreßt und gedeiht nur auf Gneis-und Schiefer-Urgesteinsböden der Weststeiermark, zwischen Eibiswald und der Grazer Stadtgrenze.
Es sind keine Großbetriebe, die den Schilcher gleich in riesigen Mengen erzeugen und exportieren, sondern in der Mehrzahl kleine Wein-
( Fortsett(jmg auf der hinteren Klappe)
Verlag Christian Brandstätter • Wien
bauern (die Durchschnittsanbaufläche pro Betrieb beträgt 0,45 Hektar), die den Weinstöcken auf den steilen Hängen in harter Arbeit den edlen Schilchertropfen abringen; oft ist es nicht ^ einmal möglich, Maschinen einzusetzen, und die Bauern müssen den Großteil der Arbeit manuell erledigen. Und so ist der Schilcher auch eine besondere Kostbarkeit und kein Massenprodukt. Am besten sucht man ihn gleich am Ursprungsort auf, folgt den verschlungenen, schmalen Straßen im weststeirischen Hügelland und kostet sich von Bauer zu Bauer durch, bis man „seinen" Schiicherbauern gefunden hat, dem man dann treu bleibt. Sie machen wenig Reklame, verteilen keine bunten Prospekte, vor den alten Häusern gibt es keine Parkplätze, auf denen gleich ein Dutzend Reisebusse Platz hat; dafür sitzt man still im Grünen und ist der Natur sehr nahe — auch in dem, was im Glas funkelt. Der Schilcher gilt als „sauer", weil er einen hohen Prozentsatz an Weinsäure enthält; dafür besitzt er aber auch ein unvergleichliches Aroma, und (nebenbei bemerkt) kein weststeiri-scher Weinbauer kam jemals in die Versuchung, mit Chemie ein wenig „nachzuhelfen"!
RUDOLF LOBNIG, geboren 1955 in Graz. Besuch der Handelsakademie und der Höheren Lehranstalt für For,stwirtschaft, danach journali-sdsche Ausbildung in Graz. Zahlreiche Veröffentlichungen in in- und aus-ländischan Zeitschriften. Seit 1980 Pressereferent des Landesfeuerwehrkommandos Steiermark und leitender Redakteur der Zeitschrift „blaulicht". Lebt in Graz.
CHRISTOF OSWALD, geboren 1955 in Graz. Seit 1977 freier Photograph und Mitglied der Grazer Sezession. Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Graz, Marburg und Triest. Lebt in Graz.
Vissza