Fülszöveg
Josef Blösche war spezialisiert auf Miissenmorde. Als Mörder und Schlächter im WaKchauer Ghetto war er einer von denen, die dafür sorgten, dass insgesamt 254 000 Juden aus dem Ghetto im Vernichtungslager Treblinka getötet wurden, bis zu 7000 Menschen täglich. Er spürte die Familien in ihren Verstecken auf und brachte sie zum sogenannten Umschlagplatz, wo ab Juli 1942 die Viehwaggons für die Todestransporte bereitgestellt wurden.
Wie wird jemand zu solch einer Bestie in Menschengestalt? Dieser Frage gehen der Historiker Heribert Schwan und die Psychologin Helgard Heindrichs auf den Grund. Gestützt auf umfangreiche Recherchen, Gespräche mit Zeitzeugen und Überlebenden des Warschauer Ghettos, zeichnen sie die Lebensgeschichte von Josef Blösche nach. Sie schildern ausführlich die Zustände im Warschauer Ghetto: unter welchen Bedingungen die Menschen dort zusammengepfercht wurden, wie sie erbärmlich den Hungertod starben, wie Josef Blösche und andere SS-Männer auf Menschenjagd gingen,...
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Fülszöveg
Josef Blösche war spezialisiert auf Miissenmorde. Als Mörder und Schlächter im WaKchauer Ghetto war er einer von denen, die dafür sorgten, dass insgesamt 254 000 Juden aus dem Ghetto im Vernichtungslager Treblinka getötet wurden, bis zu 7000 Menschen täglich. Er spürte die Familien in ihren Verstecken auf und brachte sie zum sogenannten Umschlagplatz, wo ab Juli 1942 die Viehwaggons für die Todestransporte bereitgestellt wurden.
Wie wird jemand zu solch einer Bestie in Menschengestalt? Dieser Frage gehen der Historiker Heribert Schwan und die Psychologin Helgard Heindrichs auf den Grund. Gestützt auf umfangreiche Recherchen, Gespräche mit Zeitzeugen und Überlebenden des Warschauer Ghettos, zeichnen sie die Lebensgeschichte von Josef Blösche nach. Sie schildern ausführlich die Zustände im Warschauer Ghetto: unter welchen Bedingungen die Menschen dort zusammengepfercht wurden, wie sie erbärmlich den Hungertod starben, wie Josef Blösche und andere SS-Männer auf Menschenjagd gingen, wie die Überlebenden der ersten Deportationswelle sich im April 1943 gegen ihre Henker erhoben und wie der Aufstand blutig niedergeschlagen wurde.
Josef Blösches weiterer Werdegang lässt nichts ahnen von diesen Verbrechen. In den letzten Kriegstagen in Gefangenschaft geraten, machte er sich die Wirren der Zeit zunutze, um sich zu seiner Familie nach Thüringen durchzuschlagen. Hier lebte er unerkannt und unbehelligt bis zu seiner Verhaftung. Anhand der Ermittlungs- und Gerichtsdokumente schildern Heribert Schwan und Helgard Heindrichs den Prozess, der Josef Blösche 1969 in der DDR gemacht wurde und der mit seiner Verurteilung zum Tode und seiner Hinrichtung durch Genickschuss endete.
Das Beängstigende an dieser Lebensgeschichte und dem Psychogramm, das Schwan und Heindrichs von Blösche zeichnen, ist die banale Unauffälligkeit seines Lebens vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. In einer anderen Zeit und unter anderen Umständen hätte dieser Massenmörder vermutlich ein ganz normales Leben geführt. Damit tritt die Frage gefährlich nah an uns heran: Wäre jeder andere, wären wir selbst zu solchen Grausamkeiten fähig?
Dr. Heribert Sciiwan, geboren 1944, ist beim WDR u.a. verantwortlich für Fernsehdokuraentationen in der ARD und lebt in Köln. Er ist Autor und Koautor mehrerer politischer Biographien und Bücher zur Zeltgeschichte, darunter einige Bestseller. Zuletzt erschien von ihm; Erich Mielke. Der Mann, der die Stasi war und Tod dem Verräter. Der lange Am der Stasi und der Fall Lutz Eigendoij'.
Helgard Heindrichs, geboren 1952, ist Diplom-Psychologin mit den Schwerpunkten Erziehungs- sowie Arbeitsund Kommunikationspsychologie. Sie lebt in Köln und arbeitet freiberuflich als systemische Familien-und Organisationsberaterin. Ihr historisches Interesse wurde vor vielen Jahren im Rahmen ihrer Mitarbeit in der Deutschen Gesellschaft für Sozialanalytische Forschung geweckt.
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Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München Umschlagabbildung: APASuddeutscherVerlag - Bilderdienst
Das Foto mit dem kleinen Jungen, der seine Ai'me angstvoll in die Höhe hebt, ging um die Welt. Der SS-Mann mit dem Gewehr im Anschlag ist Josef Blösche - ein kleines, aber wichtiges Rädchen in der Vemichtungsmaschinerie des Dritten Reichs. Er war an Massenhinrichtungen und Deportationen beteiligt und ermordete
eigenhändig hunderte von Menschen, darunter Kleinkinder, schwangere Frauen, Behinderte und Alte.
Wer war dieser Mann?
Vissza