Fülszöveg
Vor rund 100 Jahren wurde die Asepsis in die Chirurgie eingeführt, nur wenige Jahrzehnte früher die Narkose. Damit begann die Entwicklung der modernen Chirurgie, wie wir sie heute kennen. Was aber war davor? Was war in den langen Jahrtausenden ohne Narkose, ohne Antiseptik/ Asepsis, ohne ausreichendes Wissen über Anatomie und Physiologie?
Da ist beispielsweise das Geheimnis jener ur- und frühgeschichtlichen Schädel, die Spuren operativer Eröffnungen tragen — Eingriffe am Schädel in der Steinzeit? Da kauft im vorigen Jahrhundert ein junger Amerikaner einen unansehnlichen altägyptischen Papyrus, der sich als das „älteste Chirurgiebuch der Welt" erweist, geschrieben vor dreieinhalb Jahrtausenden! Während der griechisch-römischen Antike wächst die Chirurgie zum Spezialgebiet im Rahmen einer neuen, wissenschaftlichen Medizin heran. Was war das für eine Chirurgie, die im ganzen römischen Imperium ausgeübt wurde? Und haben Chirurgen des Altertums tatsächlich bereits eine Möglichkeit der...
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Fülszöveg
Vor rund 100 Jahren wurde die Asepsis in die Chirurgie eingeführt, nur wenige Jahrzehnte früher die Narkose. Damit begann die Entwicklung der modernen Chirurgie, wie wir sie heute kennen. Was aber war davor? Was war in den langen Jahrtausenden ohne Narkose, ohne Antiseptik/ Asepsis, ohne ausreichendes Wissen über Anatomie und Physiologie?
Da ist beispielsweise das Geheimnis jener ur- und frühgeschichtlichen Schädel, die Spuren operativer Eröffnungen tragen — Eingriffe am Schädel in der Steinzeit? Da kauft im vorigen Jahrhundert ein junger Amerikaner einen unansehnlichen altägyptischen Papyrus, der sich als das „älteste Chirurgiebuch der Welt" erweist, geschrieben vor dreieinhalb Jahrtausenden! Während der griechisch-römischen Antike wächst die Chirurgie zum Spezialgebiet im Rahmen einer neuen, wissenschaftlichen Medizin heran. Was war das für eine Chirurgie, die im ganzen römischen Imperium ausgeübt wurde? Und haben Chirurgen des Altertums tatsächlich bereits eine Möglichkeit der Narkose entdeckt? Im Mittelalter geschieht etwas auf den ersten Blick Unbegreifliches: Die Ärzte üben die Chirurgie nicht mehr aus! Stattdessen sind es
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Handwerker, auch Marktschreier und Abenteurer aller Schattierungen, die zum Messer und zum Brenneisen greifen. Was war da vor sich gegangen? Ein Bauernbursche verschluckt während eines Trinkgelages ein Messer. Die Ärzte beraten den Fall, rufen schließlich einen Chirurgen, der unter ihrer Aufsicht das Messer aus dem Magen schneidet — ohne Narkose. Dieser „Magenschnitt" ist eine Ausnahme. Die Regel aber ist zum Beispiel der Kriegschirurg, der sich immer und immer wieder zur Amputation gezwungen sieht, denn er hat keine andere Möglichkeit, den tödlichen Wundbrand zu vermeiden.
Die Armeen der friderizianischen und vor allem der napoleonischen Kriege erreichen vorher nicht gekannte Größenordnungen, immer notwendiger werden gut ausgebildete Feldchirurgen. Immer dringender auch die Forderung, den Weg zur wissenschaftlichen Chirurgie zu bahnen. Doch schier unüberwindlich die Barrieren, die dann noch bleiben: der alles beherrschende Schmerz und die verheerende Wundinfektion.
Es hat sie gegeben, die „alte Chirurgie". Sie hat Sternstunden 1 erlebt und Niederlagen erlitten. Davon erzählt dieses Buch.
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