Fülszöveg
Sie verweigern den Gehorsam und pfeifen auf die Pflicht. Sie wissen, was sie wollen: nein sagen zum Krieg, nie wieder töten. Fünf junge Soldaten warten, daß der Schrecken ein Ende nimmt. ,,Wir spazieren hier von Dorf zu Dorf, mit einem so durchsichtigen Märchen, daß ein bloßer Verdacht genügt " sagt Csaba-Baby, der Jüngste. Er wollte ein Held sein, jetzt fürchtet er sich. „Mich erwischen sie nicht, ich komme am Ende doch nach Hause. Ich muß. Mich erwartet jemand", sagt Ami, der die Liebe liebt. „Das ist der Tag der ausgeklügelten Fallen. Aber mich sollen sie aus dem Spiel lassen, mich geht dieser Krieg nichts an", sagt Schilli, der eingefleischte Zivilist. „Ich stinke. Das kommt von der Uniform", sagt Cövek, der Schürzenjäger. Er macht aus dem Krieg eine schamlose Kupplerin. „Ich denke nichts, ich wei(5 nichts, ich verstehe nichts", sagt Menyus, das verwöhnte Bürgersöhnchen. „Sie werden mich vielleicht zu jener jungen Generation zählen, die in den letzten Monaten klar zu sehen...
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Fülszöveg
Sie verweigern den Gehorsam und pfeifen auf die Pflicht. Sie wissen, was sie wollen: nein sagen zum Krieg, nie wieder töten. Fünf junge Soldaten warten, daß der Schrecken ein Ende nimmt. ,,Wir spazieren hier von Dorf zu Dorf, mit einem so durchsichtigen Märchen, daß ein bloßer Verdacht genügt " sagt Csaba-Baby, der Jüngste. Er wollte ein Held sein, jetzt fürchtet er sich. „Mich erwischen sie nicht, ich komme am Ende doch nach Hause. Ich muß. Mich erwartet jemand", sagt Ami, der die Liebe liebt. „Das ist der Tag der ausgeklügelten Fallen. Aber mich sollen sie aus dem Spiel lassen, mich geht dieser Krieg nichts an", sagt Schilli, der eingefleischte Zivilist. „Ich stinke. Das kommt von der Uniform", sagt Cövek, der Schürzenjäger. Er macht aus dem Krieg eine schamlose Kupplerin. „Ich denke nichts, ich wei(5 nichts, ich verstehe nichts", sagt Menyus, das verwöhnte Bürgersöhnchen. „Sie werden mich vielleicht zu jener jungen Generation zählen, die in den letzten Monaten klar zu sehen begann. Was aber sehe ich? Den Fliegendreck an der Wand." Fünf junge Soldaten, vom Zufall zusammengeführt, wollen nichts als die Deutschen, die Ungarn, die Russen überleben. Heldentum? Vaterland? Alles Lügen. Doch keiner spricht es aus: daiS auch ihre Chance eine Lüge ist, nie-
derlrächtig und absurd wie der Krieg.
Modern, überzeugend und vollendet durchkomponiert ist Miklós Domahidys neuer Roman, der in einer verhaltenen, bisweilen melancholischen oder scharf zupak-kenden witzigen Prosa vom Sinn und Unsinn des Überlebens erzählt. Domahidys Helden, mit so ^Kr unsterblichen Gestalten wie Sim- ^^^ plicius Simplicissimus oder dem Braven Soldaten Schwejk wesens-verwandt, sind Menschen von heute, ohne Glauben, ohne Hoffnung, ohne Ziel. Sie sagen nein, doch ohne Überzeugung, weil es ,: für sie weder Pardon noch eine echte Freiheit der Entscheidung gibt. Schlau, zäh und wendig, versuchen sie, nur ihre Haut zu reiten. Trotzdem— oder gerade deshalb? — bleiben sie bis zum Schluß liebenswert. Miklós Domahidy wurde 1922 in Budapest geboren. Er studierte Rechtswissenschaften, wurde Museumsexperte und schrieb in seiner Freizeit Theaterstücke und Novellen, die aber erst 1956, zur ,,Tauwetterzeit", in Ungarn Beachtung fanden.
Von Miklós Domahidy erschienen deutsch und in einem halben Dut- ^
zend Übersetzungen bisher die Romane DIE TASSE MIT DEM i
SPRUNG und SECHZEHN SCHLÖSSER, von denen der er-stere auch für das Fernsehen verfilmt wurde.
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Vissza