Fülszöveg
» Das vorliegende Buch ist an sich eine Publikation besonderer Art: Zsille fragt, und Hegedűs antwortet. Beide bemühen sich dabei, dem Leser ein wahrheitsgetreues Bild zu vermitteln. Zsilles pohtisch engagierte Fragen visieren ins Zentrum des Themas. In seinen Antworten - durchdacht und mit starken persönlichen Noten versehen - nimmt Hegedűs nur in Ausnahmefällen zur Ausrede Zuflucht. So entstand in bemerkenswei'ter Teamarbeit ein 350 Seiten starkes Buch, das dem Leser nicht nur Einblick in das >inoffizielle< Leben eines ehemaligen KP-Funktionärs gibt, sondern auch Hinweise darauf vermittelt, wie dieser Mann die Zukunft des >real existierenden Sozialismus< östlicher Prägung sieht.«
Peter Gosztony, Neue Zürcher Zeitung
Zum i'msclilaf;. Oberes Photo: Nach der Untcrzcich-mmg des Warschauer Vertrafjs, 'rrefTeii auf höchster Kbciie in Budapest 1955. In der Mitte Mátyás Kákosi, rechts von ihm der bulgarische Ministerpräsident Tscherwenkow. In der ersten Reihe rechts außen der...
Tovább
Fülszöveg
» Das vorliegende Buch ist an sich eine Publikation besonderer Art: Zsille fragt, und Hegedűs antwortet. Beide bemühen sich dabei, dem Leser ein wahrheitsgetreues Bild zu vermitteln. Zsilles pohtisch engagierte Fragen visieren ins Zentrum des Themas. In seinen Antworten - durchdacht und mit starken persönlichen Noten versehen - nimmt Hegedűs nur in Ausnahmefällen zur Ausrede Zuflucht. So entstand in bemerkenswei'ter Teamarbeit ein 350 Seiten starkes Buch, das dem Leser nicht nur Einblick in das >inoffizielle< Leben eines ehemaligen KP-Funktionärs gibt, sondern auch Hinweise darauf vermittelt, wie dieser Mann die Zukunft des >real existierenden Sozialismus< östlicher Prägung sieht.«
Peter Gosztony, Neue Zürcher Zeitung
Zum i'msclilaf;. Oberes Photo: Nach der Untcrzcich-mmg des Warschauer Vertrafjs, 'rrefTeii auf höchster Kbciie in Budapest 1955. In der Mitte Mátyás Kákosi, rechts von ihm der bulgarische Ministerpräsident Tscherwenkow. In der ersten Reihe rechts außen der albanische Ministerpräsident Mehmet Shehii, neben ihm .kuij Andropow, sowjetischer Botschafter in Ungarn und nachmaliger Generalsekretär der KPdStl. Zweiter von links Hegedűs.
Mittleres Photo: Woroschilow besucht in Begleitinig von András Hegedűs eine Landwirtschaftliche Produk-tionsgenossenschan in Ungarn.
Unteres Photo: Beerdigung von Bierut, dem polnischen Generalsekretär der KP, im .lahre 1956. Ungarische Khrenwache am Katafalk. Vorne rechts András Hegedűs.
András Hegedűs entstammt einer Bauern-ramilie aus der Provinz, er studierte Pliysik und war 1943/44 für die sich im Untergrund reorganisierende Kommunistische Partei tätig. 1944 wird er von ungarischer Geheimpolizei verhaftet.
1949 wird er als Siebenundzwanzigjähriger Abteilungsleiter für Landwirtschaft im ZK, 1951 Mitglied des Politbüros und Minister dei" Staatsgüter. 1955 wird er von den Sowjets als Ministerpräsident vorgeschlagen, am 18. April ist András Hegedűs ungarischer Mitiisterpräsident.
Er ist einer der vier stalinistischen Politiker Ungarns, die 1956 vom sowjetischen Militär nach Moskau gerettet werden. Er ist der einzige unter den ehemaligen stalinistischen Führern, die danach Kádárs restaurative Politik befürworten. 1958 kehrt er nach Ungarn zurück.
1965-68 ist er Direktor der Soziologischen Forschungsgruppe an der Akademie der Wissenschaften. Als er 1968 den Einmarsch in die Tschechoslowakei kritisierte, wurde er als Direktor des Instituts abgelöst und 1973 als Revisionist aus der Partei ausgeschlossen. Meute ist András Hegedűs Rentner und lebt in Budapest.
Zoltán Zsillé, Soziologe, ist ein ehemaliger Schüler Hegedűs. Zsillé erkennt als erster die Bedeutung der Schattenwirtschaft für Ungarn. Seine Aufsätze sind in ungarischer, später in österreichischen und englischen Zeitschriften erschienen. Auch er wurde wegen seines Protests gegen die Besetzung der CSSR aus der Partei ausgeschlossen und verlor seinen Arbeitsplatz. Nach einem 5 Jahre währenden Arbeitsverbot und nach seiner Tätigkeit in der demokratischen Opposition Ungarns, ging er 1980 in den Westen. Seither lebt er als freier Journalist in Wien.
András Hegedűs, vom April 1955 bis zum 25. Oktober 1965 ungarischer Ministerpräsident, hatte drei Tage nach seiner Amtsenthebung die historisch bedeutsame Unterschrift unter die Entscheidung der ungarischen Regierung vom 23. Oktober 1956 gesetzt, wonach sowjetische Truppen zur Niederschlagung der nationalen Revolution ins Land zu holen seien.
Imre Nagy, der seit dem 24. Oktober 1956 das Amt des Ministerpräsidenten versah, hatte seine Unterschrift auf das für das internationale Ansehen der Sowjetunion wichtige Dokument verweigert.
»Ich halte meine Unterschriftßir eine historische Notwendigkeit, die Verantwortung muß man so oder so übernehmen«, sagt Hegedűs heute dazu.
Vissza