Fülszöveg
Die Verklärer und die Verächter Österreichs - sie haben sich bequem eingerichtet in ihren Vorurteilen, jeder nach seiner Überzeugung. Aber kommt es wirklich nur darauf an, Österreich zu preisen oder es zu verdammen? Ist es nicht an der Zeit, Rückschau zu halten und Österreich aufs neue zu ent-deckenP-Zu entdecken einerseits in einer Geschichte, deren ketzerische Traditionen vergessen sind, und zu entdecken andererseits in einer Gegenwart, die auf Revolten, Widerspruchsgeist und ästhetische Radikalität zu verzichten scheint. Karl-Markus Gauß stellt sich dieser Aufgabe und schreibt passioniert wider eine Gegenwart, deren Tugend die Gedächtnislosigkeit, deren Ideal der Opportunismus ist. Eloquent und mit polemischem Witz setzt er positive Beispiele dagegen: Wiener Revolutionäre und ungarische Jakobiner, ukrainische Gelehrte und Aufklärer, große Liebende, die einander in die Verbannung folgten wie Gabriele von Baumberg und János Batsányi, verschollene Schriftsteller wie Paul Weidmann...
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Die Verklärer und die Verächter Österreichs - sie haben sich bequem eingerichtet in ihren Vorurteilen, jeder nach seiner Überzeugung. Aber kommt es wirklich nur darauf an, Österreich zu preisen oder es zu verdammen? Ist es nicht an der Zeit, Rückschau zu halten und Österreich aufs neue zu ent-deckenP-Zu entdecken einerseits in einer Geschichte, deren ketzerische Traditionen vergessen sind, und zu entdecken andererseits in einer Gegenwart, die auf Revolten, Widerspruchsgeist und ästhetische Radikalität zu verzichten scheint. Karl-Markus Gauß stellt sich dieser Aufgabe und schreibt passioniert wider eine Gegenwart, deren Tugend die Gedächtnislosigkeit, deren Ideal der Opportunismus ist. Eloquent und mit polemischem Witz setzt er positive Beispiele dagegen: Wiener Revolutionäre und ungarische Jakobiner, ukrainische Gelehrte und Aufklärer, große Liebende, die einander in die Verbannung folgten wie Gabriele von Baumberg und János Batsányi, verschollene Schriftsteller wie Paul Weidmann und Amand Berghofer, abgewiesene Denker und Dichter wie Friedrich Heer und Michael Guttenbrunner.
So klug wie ironisch erzählt Gauß vom Josefmismus, den vielen Völkern der Donaumonarchie und was davon übrigblieb, von den Mythen der Habsburger und den Phrasen der heutigen Modernisierer, von Verrätern und Versagern, Rebellen und Dichtern.
Karl-Markus Gauß, geboren 1954 in Salzburg, wo er heute als Essayist, als Kritiker und Herausgeber der Zeitschrift Literatur und Kritik lebt. Er schreibt für die Frankfiirter Allgemeine, Die Zeit, Neue Zürcher Zeitung \xn6. Die Presse. 1995 erhielt er den österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik. Für sein Buch Das Europäische Alphabet wurde er 1997 mit dem europäischen Essaypreis »Charles Veillon« ausgezeichnet.
Schutzumschlag: Peter-Andreas Hassiepen, München, unter Verwendung eines Fotos von Gerald Grosse, mit freundlicher Genehmigung vom Verlag Christian Brandstätter, Wien.
Vissza