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»Es ist nicht gesagt, daß Kublai Khan alles glaubt, was Marco Polo erzählt, wenn er die auf seinen Sendreisen besuchten Städte schildert, aber der Tatarenkaiser hört dem jungen Venezianer nach wie vor mit größerer Wißbegierde und Aufmerksamkeit zu als jedem anderen seiner Sendboten oder Kundschafter.«
Die Berichte des fiktiven Marco Polo, die er dem letzten Gesamtherrscher des riesigen, unüberschaubaren Tatarenreiches gibt, sind in der Tat ein Geflecht von so bestürzender Vielfalt und poetischer Evidenz, daß man ihnen nur mit Wißbegierde und Aufmerksamkeit zuhören kann. Der imaginäre Gang des Venezianers durch die Geschichte der Städte ist ein Gang durch die Geschichte der Zivilisation.
Kublai Khan liegt eine Welt zu Füßen, mit der er nichts mehr anzufangen weiß. In sein Reich, das nur lebte, solange es sich ausdehnte, ist Geschichtslosigkeit eingezogen. Seine Gegenwart ist nahezu Vergangenheit. Um einen Weg aus...
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»Es ist nicht gesagt, daß Kublai Khan alles glaubt, was Marco Polo erzählt, wenn er die auf seinen Sendreisen besuchten Städte schildert, aber der Tatarenkaiser hört dem jungen Venezianer nach wie vor mit größerer Wißbegierde und Aufmerksamkeit zu als jedem anderen seiner Sendboten oder Kundschafter.«
Die Berichte des fiktiven Marco Polo, die er dem letzten Gesamtherrscher des riesigen, unüberschaubaren Tatarenreiches gibt, sind in der Tat ein Geflecht von so bestürzender Vielfalt und poetischer Evidenz, daß man ihnen nur mit Wißbegierde und Aufmerksamkeit zuhören kann. Der imaginäre Gang des Venezianers durch die Geschichte der Städte ist ein Gang durch die Geschichte der Zivilisation.
Kublai Khan liegt eine Welt zu Füßen, mit der er nichts mehr anzufangen weiß. In sein Reich, das nur lebte, solange es sich ausdehnte, ist Geschichtslosigkeit eingezogen. Seine Gegenwart ist nahezu Vergangenheit. Um einen Weg aus dieser einsamen Erstarrung zu finden, hört er Marco Polo zu, dem Fremden. Marco Polo erzählt dem Kaiser fünfundfünfzig Städte, er erfindet sie: Sie sind zugleich Geschichte und menschHche Existenzformen, Beziehungen zur Umwelt, zur natürlichen, produktiv gestalteten und zu anderen Menschen. Als Geschichtsetappen entstehen und vergehen die Städte im Dialog. Jede spätere negiert die vorangehende. Sind die Städte in ihrer Gesamtheit wie ein Zyklus von Gedichten, der epische Verläufe darstellt, so ist jede einzelne Stadt
wie ein Gedicht dieses Zyklus, das eine besondere menschliche Situation wieder und wieder erlebbar macht. Die letzten Berichte handeln von menschenleeren Städten, die in Müllbergen ersticken: die Städte der Gegenwart.
Italo Calvino, 1923 in Guba geboren, lebt in Paris. Er erhielt, neben vielen italienischen Literaturpreisen, 1977 den österreichischen Staatspreis für europäische Literatur.
Werke: Wo Spinnen ihre Nester bauen, 1947; Der geteilte Visconte, 1952; Der Baron auf den Bäumen, 1957; Der Ritter, den es nie gab, 1959; Der Tag eines Wahlhelfers, 1963; Marcovaldo, 1963; Kosmischkomische Geschichten, 1965; (alle im S. Fischer Verlag). Das Schloß, darin sich Schicksale kreuzen, 1978; Wenn ein Reisender in einer Winternacht, 5. A. 1983; Der Baron auf den Bäumen, 1984 (Hanser Verlag)
Vissza