Fülszöveg
»Der eigentümliche und tiefreichende Konformismus, der sich in der Bundesrepublik lähmend ausgebreitet hat, hat Proteste und gelegentlich ein protestierendes Denken hervorgerufen. Es richtet sich gegen jene Indifferenz, der nicht anzusehen ist, wem sie sich mehr verdankt: einer Identifikation mit allem und jedem oder der Flucht vor Identifikation überhaupt. Einen Kommentar zur Erfahrung dieser Indifferenz gibt Klaus Heinrich mit seinem Versuch über die Schwierigkeit nein sagen
Die Kritik an diesen Gestalten unwahren Lebens, die ihrer Unwahrheit nicht mehr inne sind, bemißt sich nicht, wie Ontologie, an einem vom Nichtsein gereinigten Sein, einem Eigentlichen, an dem es teilzuhaben, auf das es zu hören gälte. Die Kritik kehrt nicht zum Ursprung der Mächte, die dem Menschen mit Ichverlust drohen und ihm die Sprache nehmen, zurück; sie will vielmehr deren Macht brechen, >dem Ursprung entspringen^ will mit der gelungenen Identität des aus Konflikten geborenen Ichs jene Gefahren...
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Fülszöveg
»Der eigentümliche und tiefreichende Konformismus, der sich in der Bundesrepublik lähmend ausgebreitet hat, hat Proteste und gelegentlich ein protestierendes Denken hervorgerufen. Es richtet sich gegen jene Indifferenz, der nicht anzusehen ist, wem sie sich mehr verdankt: einer Identifikation mit allem und jedem oder der Flucht vor Identifikation überhaupt. Einen Kommentar zur Erfahrung dieser Indifferenz gibt Klaus Heinrich mit seinem Versuch über die Schwierigkeit nein sagen
Die Kritik an diesen Gestalten unwahren Lebens, die ihrer Unwahrheit nicht mehr inne sind, bemißt sich nicht, wie Ontologie, an einem vom Nichtsein gereinigten Sein, einem Eigentlichen, an dem es teilzuhaben, auf das es zu hören gälte. Die Kritik kehrt nicht zum Ursprung der Mächte, die dem Menschen mit Ichverlust drohen und ihm die Sprache nehmen, zurück; sie will vielmehr deren Macht brechen, >dem Ursprung entspringen^ will mit der gelungenen Identität des aus Konflikten geborenen Ichs jene Gefahren bannen, die in den individuellen Neurosen genauso wie in den kollektiven Katastrophen die Kontinuität der Geschichte vernichten und historisches Leben ins Chaos zurückziehen.«
Jürgen Habermas, Merkur (1964)
Klaus Heinrich, 1927 in Berlin geboren, hat nach Kriegsende seine Studien an der Universität unter den Linden begonnen. Studentischer Mitgründer der Freien Universität in Dahlem, lehrt er seit 1955 Religionsphilosophie. Seit 1971 ist er o. Professor an der FU. 1979 erschien in diesem Verlag eine Festschrift Aufmerksamkeit Klaus Heinrich zum 50. Geburtstage Als Band 1 seiner Dahlemer Vorlesungen erschien 1981 >tertium datur. Eine religionsphilosophische Einführung in die Logik.<
»An Horkheimers und Adornos >Dialektik der Aufklärung < muß erinnern, wer den geistigen Ort bestimmen will, von dem aus Klaus Heinrich spricht Die Wirklichkeitssubstrate abstrakter Begriffe aufzudecken, logische Forme(l)n auf in ihnen abgelagerte Inhalte hin zu entziffern, ist Heinrichs Ruhm.«
DIE ZEIT
Vissza