Fülszöveg
sehnlichen Bart stehen lassen. Jetzt strebt er nach höherem, insbesondere seine Kinder sollen mal „wat Besseret" werden. Doch Sohn Theo macht keine Anstalten, seinem Vater diesen Wunschtraum zu erfüllen. Statt dessen studiert er bebilderte Auflclärungsschriften -ein Erbe der Koblankschen Sinnlichkeit, wie Röschen ihrem verstimmten Nante versichert - und fliegt prompt vom Gymnasium. Um die Geschichte der liebenswerten Familie Koblank rankt sich eine Fülle farbiger Gestalten aus dem aufstrebenden Berlin der Jahrhundertwende. Da ist zum Beispiel Onkel Anton, „dem immer duchtet", weil er eine „kinsthche" Ader hat, da sind die hilfsbereite, aber klatschsüchtige Portiersfrau Schimpkus und die Dienstmädchen. Der Autor zeigt uns die Kellergeschäfte, die schmucken Vorderhäuser und die ärmeren Hinterhöfe der sich immer mehr bevölkernden Potsdamer Vorstadt um die Potsdamer-, Bülow-, Steinmetzstraße bis hin zum Nollendorfplatz.
Wer heute mit wachen Augen durch den „Kiez" wandert, kann noch...
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Fülszöveg
sehnlichen Bart stehen lassen. Jetzt strebt er nach höherem, insbesondere seine Kinder sollen mal „wat Besseret" werden. Doch Sohn Theo macht keine Anstalten, seinem Vater diesen Wunschtraum zu erfüllen. Statt dessen studiert er bebilderte Auflclärungsschriften -ein Erbe der Koblankschen Sinnlichkeit, wie Röschen ihrem verstimmten Nante versichert - und fliegt prompt vom Gymnasium. Um die Geschichte der liebenswerten Familie Koblank rankt sich eine Fülle farbiger Gestalten aus dem aufstrebenden Berlin der Jahrhundertwende. Da ist zum Beispiel Onkel Anton, „dem immer duchtet", weil er eine „kinsthche" Ader hat, da sind die hilfsbereite, aber klatschsüchtige Portiersfrau Schimpkus und die Dienstmädchen. Der Autor zeigt uns die Kellergeschäfte, die schmucken Vorderhäuser und die ärmeren Hinterhöfe der sich immer mehr bevölkernden Potsdamer Vorstadt um die Potsdamer-, Bülow-, Steinmetzstraße bis hin zum Nollendorfplatz.
Wer heute mit wachen Augen durch den „Kiez" wandert, kann noch einige dieser herrschaft-hchen Häuser entdecken und ein wenig von dem Lokalkolorit einfangen, das uns Erdmann Graeser in seinem Roman so nahegebracht hat. Den sprichwörtlichen Berliner Mutterwitz findet man noch allemal.
Erdmann Graeserwurde 1870 in Berlin geboren. Sein Vater war Geheimer Kanzleirat im Finanzministerium. Er wuchs zwischen Nollendorfplatz und Bülowbogen auf; in der damals noch kaum bebauten Gegend zwischen Schöneberger Wiesen und Landwehrkanal konnte man als Kind spielen, toben und die noch unberührte Natur beobachten.
Graeser studierte Naturwissenschaften, brach aber das ihn nicht befriedigende Studium bald ab und arbeitete zunächst als freier Schriftsteller und Dichter. In seinen Büchern und Gedichten lebt das Vergangene weiter: die Gartenlokale von Schöneberg, die neu entstehenden Mietshäuser der sich ausbreitenden Stadt, die weiten moorigen Flächen um den Bayerischen Platz. Vor allem aber leben seine Menschen: Hellwach und mit dem Lächeln eines Humoristen hat Erdmann Graeser die tüchtigen und gescheiten Berliner beobachtet. Man kann bei der Lektüre seiner Bücher schmunzeln und lachen, und doch wohnt den meisten Gestalten seiner Romane ein nachdenklicher, romantischer Zug inne. Man nannte Erdmann Graeser schon zu Lebzeiten einen „Dichter Berlins". Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Romane „Lemkes sei. Witwe", „Koblanks", „Eisrieke" und „Spreelore". Er war drei Jahrzehnte mit dem Ullstein-Verlag verbunden, wo er für die „Berliner Morgenpost", die „Berliner Illustrirte" und die „Vossische Zeitung" schrieb. Er hat unzählige Plaudereien und Kurzgeschichten veröffentlicht.
Erdmann Graeser starb 1937 an einem Herzleiden. Sein Grab ist auf dem Zehlendorfer Friedhof in der Onkel-Tom-Straße.
arani
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