Fülszöveg
Kein anderer Dichter des neuen «goldenen Zeitalters» spanischer Dichtung hat mit seiner Thematik und Gestaltungsweise, besonders durch sein Werk «La destrucción o el amor» («Die Zerstörung oder die Liebe»), einen so entscheidenden Einfluß auf die junge spanische Dichtung ausgeübt wie Vicente Aleixandre; nicht Lorca, nicht Alberti, nicht einmal Antonio Machado, dessen Werk unter der Nachkriegsgeneration den Einfluß Lorcas verdrängte. Aleixandres Dichtung bewirkt seit Jahrzehnten eine völlige Neuorientierung. Mit Gerardo Diego, Jorge Guillén, Pedro Salinas, Rafael Alberti und Garcia Lorca die führende Dichtergruppe des Jahres 1927 bildend, dem Jahr, da Spanien den dreihundertjährigen Todestag Gongoras wie eine poetische Erleuchtung, eine Befreiung von allem Herkömmlichen, Sentimentalen und Kleinbürgerlichen in der Dichtung feiert, ist unter ihnen Aleixandre die bestimmende Erscheinung der spanischen Moderne. 1898 in Sevilla geboren, verlebt er seine Jugend in Malaga und an seinen...
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Kein anderer Dichter des neuen «goldenen Zeitalters» spanischer Dichtung hat mit seiner Thematik und Gestaltungsweise, besonders durch sein Werk «La destrucción o el amor» («Die Zerstörung oder die Liebe»), einen so entscheidenden Einfluß auf die junge spanische Dichtung ausgeübt wie Vicente Aleixandre; nicht Lorca, nicht Alberti, nicht einmal Antonio Machado, dessen Werk unter der Nachkriegsgeneration den Einfluß Lorcas verdrängte. Aleixandres Dichtung bewirkt seit Jahrzehnten eine völlige Neuorientierung. Mit Gerardo Diego, Jorge Guillén, Pedro Salinas, Rafael Alberti und Garcia Lorca die führende Dichtergruppe des Jahres 1927 bildend, dem Jahr, da Spanien den dreihundertjährigen Todestag Gongoras wie eine poetische Erleuchtung, eine Befreiung von allem Herkömmlichen, Sentimentalen und Kleinbürgerlichen in der Dichtung feiert, ist unter ihnen Aleixandre die bestimmende Erscheinung der spanischen Moderne. 1898 in Sevilla geboren, verlebt er seine Jugend in Malaga und an seinen früditereichen, elementaren Küsten, in einer Landschaft, deren paradiesische Ursprünglichkeit tief in sein späteres Schaffen einwirkte. Von seinem weiteren Leben beriditen, bedeutet einzig von seinem Werk spredien, in dem er sich ganz offenbart, das, bei aller gongorischen Dunkelheit und Metaphernkühnheit, seinem surrealistisch alogisdien Strophenbau, der unmittelbare und notwendige Ausdruck eines poetischen Ichs ist, eines Lebens. Nie ging es Aleixandre vorrangig um ein formales Prinzip. Auch der Surrealismus war ihm, zeitweilig nur, Befreiung, Weitung von Welt und Innenwelt, Erschließung unterbewußter Strömungen des Erlebten, nie Programm oder Methode des psychischen Automatismus, sondern frei, autogen angewandtes Mittel, eine Möglichkeit, Ausdrückbares tiefer, verzweigter, feiner und abgründiger zu gestalten. Im Skurrilsten noch authentisch, eigen in Stil und Gehalt, nie wie Alberti in seinem «Cal y Canto» ins bloß Phantastische, Spielerische entgleitend. Aleixandre weist dem Dichter den mythischen Rang eines «Sehers, eines Propheten zu der das Vergangene, Gelebte verkündet der zum Ursprünglichen im Menschen spricht an das Unvergängliche in ihm sich wendet». Erich Arendt
Vissza