Fülszöveg
ji
»Ein Prophet? Nein, nein. Ich will, daß er ein Mensch wie alle anderen ist, daß er wie sein Vater Tröge, Wiegen, Pflüge und Hausgeräte macht, daß er ein Mädchen aus einem ehrbaren Hause heiratet und Kinder bekommt«, sagt Maria, die Mutter Jesu, in den Eröffnungspassagen dieses Romans, der jetzt anläßlich seiner Verfilmung durch den Hollywood-Regisseur Martin Scorsese erneut zum Mittelpunkt des allgemeinen Interesses geworden ist. Vehement entzündet sich der Meinungsstreit daran, daß Nikos Kazantzakis Ernst macht mit Jesu Menschsein. Der Mensch Jesu muß die Fesseln des Fleisches und des Geistes von sich werfen, um Christus zu werden. Mit seiner kleinen Schar zieht Jesus im Land umher, tut Wunder und predigt. Die Armen lieben ihn, die Reichen und Großen trachten ihm nach dem Leben. Unter Qualen gelangt er zu der Erkenntnis, daß er sich opfern muß, wie der Bock, den die Juden alljährlich mit ihren Sünden beladen in die Wüste jagen. Doch noch am Kreuz tut sich der Abgrund auf,...
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Fülszöveg
ji
»Ein Prophet? Nein, nein. Ich will, daß er ein Mensch wie alle anderen ist, daß er wie sein Vater Tröge, Wiegen, Pflüge und Hausgeräte macht, daß er ein Mädchen aus einem ehrbaren Hause heiratet und Kinder bekommt«, sagt Maria, die Mutter Jesu, in den Eröffnungspassagen dieses Romans, der jetzt anläßlich seiner Verfilmung durch den Hollywood-Regisseur Martin Scorsese erneut zum Mittelpunkt des allgemeinen Interesses geworden ist. Vehement entzündet sich der Meinungsstreit daran, daß Nikos Kazantzakis Ernst macht mit Jesu Menschsein. Der Mensch Jesu muß die Fesseln des Fleisches und des Geistes von sich werfen, um Christus zu werden. Mit seiner kleinen Schar zieht Jesus im Land umher, tut Wunder und predigt. Die Armen lieben ihn, die Reichen und Großen trachten ihm nach dem Leben. Unter Qualen gelangt er zu der Erkenntnis, daß er sich opfern muß, wie der Bock, den die Juden alljährlich mit ihren Sünden beladen in die Wüste jagen. Doch noch am Kreuz tut sich der Abgrund auf, erreicht ihn die letzte Versuchung: Der Kreuzestod - ein Traum?
Wirklichkeit aber dies: Jesus, ein anderer Lazarus, kehrt heim zu Maria und Martha, die Erde als Himmelreich, duftend nach Thymian, besät mit Anemonen und gelben Margeriten, das Haus voller Kinder ? »Kazantzakis' Buch endet mit einer Frage; der Kampf zwischen Diesseits und Jenseits endet remis - ästhetisch plausibel und theologisch konsequent. >Die letzte Versuchung< ein interessantes und problematisches Buch.« (Walter Jens)
Nikos Kazantzakis, geboren am 18. 2. 1883 in Iraklion auf Kreta und gestorben am 26.10.1957 in Freiburg/Breisgau, ist als Dichter und Denker zu Weltruhm gelangt. 1906 promovierte er zum Dr. jur. an der Universität Athen und studierte darauf Philosophie in Paris. Wieder in Griechenland, trat er 1919 in den Staatsdienst ein, quittierte ihn jedoch bald und widmete sich vorwiegend der literarischen Arbeit. Ausgedehnte Reisen führten ihn durch Europa, die Sowjetunion, Afrika und Asien. Von den Romanen seiner späteren Zeit sind »Alexis Sorbas«, »Griechische Passion« und »Die letzte Versuchung« am bekanntesten geworden.
Umschlaggestaltung; HTG Werbeagentur Umschlagbild: UlP
Kazantzakis' Roman ist ein Meisterwerk, Zeile fiir Zeile: Ein quälendes und beglückendes, ein bedrängendes und befreiendes Buch.
Der Kurier, Berlin
Was fiir ein Paradox, daß Geistliche gegen eine so ehrfiirchtsvoll gestaltete Version des Lebens Jesu sind! Da sich Kazantzakis gewisse Freiheiten genommen hat, klagen sie ihn an, Jesus in den Schmutz zu ziehen. Aber die Absicht des Romans ist, Jesus als Vorbild zu zeigen in einer Zeit, da die westliche Zivilisation an die Stelle der Spiritualität das Glück gesetzt hat.
The NewYorkTimes
Vissza