Fülszöveg
Kulturgeschichte der Oper -
das ist etwas anderes als Operngeschichte, etwas, das tiefer greift. Hier wird die geistige und gesellschaftliche Entwicklung der Oper dargestellt, ihre bunt schillernde Kunstform in den großen Organismus der Kultur eingeordnet. Jedes einzelne Werk rückt in ein großes Koordinatensystem; es ist immer zugleich künstlerischer Ausdruck der geistigen Strömungen seiner Zeit wie auch selbst Impuls zu neuen geistigen Auseinandersetzungen. Eine Kulturgeschichte der Oper wird zwangsläufig auch eine Geschichte der Literatur, der Bildenden Kunst und des Tanzes sein müssen, Sittengeschichte, Geschichte der Philosophie, Gesellschafls- und Kostümgeschichte. Das engere Thema »Oper« ist gleichsam nur der Kristallisationspunkt, auf den hin die überall zutagetretenden geistigen Zusammenhänge angeordnet sind. Der Querschnitt, nicht der Längsschnitt, wird angesteuert.
Helmut Schmidt-Garre, geb. 1907 zu Düsseldorf; deutscher Mu-sikschriflsteller und Komponist, studierte an...
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Kulturgeschichte der Oper -
das ist etwas anderes als Operngeschichte, etwas, das tiefer greift. Hier wird die geistige und gesellschaftliche Entwicklung der Oper dargestellt, ihre bunt schillernde Kunstform in den großen Organismus der Kultur eingeordnet. Jedes einzelne Werk rückt in ein großes Koordinatensystem; es ist immer zugleich künstlerischer Ausdruck der geistigen Strömungen seiner Zeit wie auch selbst Impuls zu neuen geistigen Auseinandersetzungen. Eine Kulturgeschichte der Oper wird zwangsläufig auch eine Geschichte der Literatur, der Bildenden Kunst und des Tanzes sein müssen, Sittengeschichte, Geschichte der Philosophie, Gesellschafls- und Kostümgeschichte. Das engere Thema »Oper« ist gleichsam nur der Kristallisationspunkt, auf den hin die überall zutagetretenden geistigen Zusammenhänge angeordnet sind. Der Querschnitt, nicht der Längsschnitt, wird angesteuert.
Helmut Schmidt-Garre, geb. 1907 zu Düsseldorf; deutscher Mu-sikschriflsteller und Komponist, studierte an der Universität Wien Musikwissenschaft hei R. von Ficker (1930 Dr. phil.), Komposition bei Alban Berg und Instrumentation bei Egon Wellesz. Seit 1932 lebt er in München und ist seit 1947 Musikkritiker des »Münchner Merkur«.
Titelhid: Wolkenmaschinerie mit der »Reggia di Marte« aus der Oper Farnace von Leonardo Vinci (Francesco Galli-Bibiena)
Rückseite oben: Szenenvorhang von Salvador Dali »Bacchanale« (Tannhäuser), Metropolitan Opera, New York 1939
Rückseite unten: Szenenvorhang zu Parade, dem »Kubistischen Manifest« von Sartre, Cocteau und Picasso (Paris 1917)
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Die vorliegende Kulturgeschichte führt von den Anfängen und Vorformen der Oper, den Rappresentazioni Sacre und Trionfi in Florenz, den Mascarades und Ballets de Cour in Paris, bis zur unmittelbaren Gegenwart. Alle Erscheinungsformen des Musiktheaters sind dabei berücksichtigt: die barocke Tragédie lyrique und die Opera seria ebenso wie das Théâtre a la foire (Jahrmarktstheater) und das Vaudeville, das monumentale Musikdrama Wagners wie die leichtlebige musiquette Offenbachs, die »Dreigroschenoper« von Brecht und Weill wie der »Wozzeck« von Alban Berg. Sie alle sind für die Kultur ihrer Zeit wichtig und charakteristisch, sie alle auch Bausteine im großen Geschichtsablauf der Oper.
Selbstverständlich sind im vorliegenden Buch alle Opern besprochen und kulturgeschichtlich beleuchtet, die dem Musikfreund bekannt und im Repertoire anzutreffen sind. Aber daneben stehen mit gleicher Ausführlichkeit andere, die heute fast vergessen sind und deren Partituren man nur in Archiven und Bibliotheken einsehen kann: etwa das Singspiel »Le Devin du Village« des französischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau, das, obwohl am französischen Königshof aufgeführt, die herrschende konservative Gesellschaft angriff, das neue Natürlichkeitsideal aufs Theater übertrug und auf Mozart ein-wirkte; oder die Oper »Undine« E.T.A. Hoffmanns, das Eingangstor zur romantischen Oper, Aubers »Stumme von Portici«, die 1830 die Brüsseler Juli-Revolution auslöste und damit das Signal zur Trennung Belgiens von den Niederlanden gab, oder »Louise« von Charpentier, in der nach dem Vorbild der naturalistischen Dichter Alltäglichkeiten wie Zeitunglescn, Milchverkaufen und Lumpensammeln aufs Musiktheater gebracht wurden. Sie alle standen einmal im Mittelpunkt des Tagesgespräches, wirbelten Staub auf und sind ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis der kulturellen Situation ilircr Zeit.
ARNO VOLK VERLAG KÖLN
Die vorliegende Kulturgeschichte führt von den Anfängen und Vorformen der Oper, den Rappresentazioni Sacre und Trionfi in Florenz, den Mascarac < und Ballets de Cour in Paris, bis zur unmittelbaren Gegenwart. Alle Erscl nungsformen des Musiktheaters sind dabei berücksichtigt: die barocke T lyrique und die Opera seria ebenso wie das Théâtre a la foire (JahriTia theater) und das Vaudeville, das monumentale Musikdrama Wagners wie u leichtlebige musiquette Offenbachs, die »Dreigroschenoper« von Brecht unü Weill wie der »Wozzeck« von Alban Berg. Sie alle sind für die Kultur ihrer Zeit wichtig und charakteristisch, sie alle auch Bausteine im großen Geschichtsablauf der Oper.
Selbstverständlich sind im vorliegenden Buch alle Opern besprochen und kulturgeschichtlich beleuchtet, die dem Musikfreund bekannt und im Repertoire anzutreffen sind. Aber daneben stehen mit gleicher Ausführlichkeit andere, die heute fast vergessen sind und deren Partituren man nur in Archiven und Bibliotheken einsehen kann: etwa das Singspiel »Le Devin du Village« des französischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau, das, obwohl am französischen Königshof aufgeführt, die herrschende konservative Gesellschaft angriff, das neue Natürlichkeitsideal aufs Theater übertrug und auf Mozart einwirkte; oder die Oper »Undine« E. T. A. Hoifmanns, das Eingangstor zur romantischen Oper, Aubers »Stumme von Portici«, die 1830 die Brüsseler Juli-Revolution auslöste und damit das Signal zur Trennung Belgiens von den Niederlanden gab, oder »Louise« von Charpentier, in der nach dem Vorbild der naturalistischen Dichter Alltäglichkeiten wie Zeitunglescn, Milchverkaufen und Lumpensammeln aufs Musiktheater gebracht wurden. Sie alle standen einmal im Mittelpunkt des Tagesgespräches, wirbelten Staub auf und sind ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis der kulturellen Situation ihrer Zeit.
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