Fülszöveg
Rückkehr stromauf- das bedeutet nicht die Rückkehr zu den Quellen, sondern ein labyrinthischer Gang ins Unwegsame. »Wir werden, im Leben wie im Tod, mit den Wölfen, wie Kinder auf dieser kribbelnden Erde bleiben«, schreibt René Char, der große Dichter und Kämpfer, dessen verwegenes Werk kürzlich in die »Bibliotheque de la Pléiade« aufgenommen wurde: Ausdruck der Achtung einer poetischen Lebensleistung, die sich über sechzig Jahre hindurch stetig entwickelt hat.
René Char wurde 1907 am Fuß des Mont Ventoux in der Provence geboren, stand in seiner Jugend den Surrealisten nahe und hat seine ersten Gedichte in enger Verbindung mit den Malern seiner Zeit geschrieben und in illustrierten Büchern veröffendicht. Während der deutschen Besatzung war er Mitglied der Résistance, eine Erbschaft, die sein kommendes Werk prägen sollte: viele der Ortsnamen bezeichnen Verstecke oder Hinrichtungsstätten jener Zeit, die durch die spätere Benennung bis in die Gegenwart hinein wirken. Nachdem in den...
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Rückkehr stromauf- das bedeutet nicht die Rückkehr zu den Quellen, sondern ein labyrinthischer Gang ins Unwegsame. »Wir werden, im Leben wie im Tod, mit den Wölfen, wie Kinder auf dieser kribbelnden Erde bleiben«, schreibt René Char, der große Dichter und Kämpfer, dessen verwegenes Werk kürzlich in die »Bibliotheque de la Pléiade« aufgenommen wurde: Ausdruck der Achtung einer poetischen Lebensleistung, die sich über sechzig Jahre hindurch stetig entwickelt hat.
René Char wurde 1907 am Fuß des Mont Ventoux in der Provence geboren, stand in seiner Jugend den Surrealisten nahe und hat seine ersten Gedichte in enger Verbindung mit den Malern seiner Zeit geschrieben und in illustrierten Büchern veröffendicht. Während der deutschen Besatzung war er Mitglied der Résistance, eine Erbschaft, die sein kommendes Werk prägen sollte: viele der Ortsnamen bezeichnen Verstecke oder Hinrichtungsstätten jener Zeit, die durch die spätere Benennung bis in die Gegenwart hinein wirken. Nachdem in den sechziger Jahren zwei Bände mit den Dichtungen René Chars in Deutschland erschienen waren, hat nun Peter Handke den größten Teil der Texte aus dem Band »Le nu perdu«, der die Arbeiten zwischen 1964 bis 1975 zusammenfaßt, übersetzt. »Dichter des Aufruhrs und der Freiheit, der mühelos zugleich der Dichter der Liebe ist«, schrieb damals Albert Camus: »Er ist unser größter lebender Dichter.«
Im Festungswall verzahnten sich die Steine, und die Männer lebten vom Steinmoos. Die tiefe Nacht ging einher mit Gewehren, und die Frauen kamen nicht mehr nieder. Die Ehrlosigkeit bot sich an als ein Glas Wasser.
Ich tat mich zusammen mit einigen wagemutigen Wesen, lebte heftig, ohne zu altern, mit meinem Mysterium in ihrer Mitte, erschauderte vor dem Dasein all der andern, gleich einer Barke, treibend über verschachteltem Grund.
Vissza