Fülszöveg
Mit ungezügelter Energie und Sachkenntnis nutzt Mariella Mehr ihre gewaltigen sprachlichen Mittel für die Opfer dieser Gesellschaft und gegen die Mächtigen, die diese Opfer fordern. In ihrem Roman «Steinzeit» berichtet sie vom Erleben und Erleiden ihrer Jugendzeit, einer kontinuierlichen Katastrophe aus Lieblosigkeit, Gewalt, Sadismus und bürokratischer Sturheit, aber auch von ihren hilflosen Versuchen, dagegen anzukämpfen. «Steinzeit» ist das Dokument, das unsere mitteleuropäische Wohlstands- und angebliche Menschenrechtsgesellschaft auf schonungslose, erschütternde Weise als Sadogesellschaft entlarvt, die für nicht der diktierten Norm entsprechende Menschen nur bürokratisch gedrillte Anstalten und Institute übrig hat. Mariella Mehrs Aussagen sind, ob sie als Reportagen, als Gedichte, Film oder Theaterstücke erscheinen, immer eindrückliche, wirksame und höchst politische Aussagen, die stets für den Menschen und gegen Macht und Gewalt agitieren. H.U. Ellenberger
Foto: Justine...
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Fülszöveg
Mit ungezügelter Energie und Sachkenntnis nutzt Mariella Mehr ihre gewaltigen sprachlichen Mittel für die Opfer dieser Gesellschaft und gegen die Mächtigen, die diese Opfer fordern. In ihrem Roman «Steinzeit» berichtet sie vom Erleben und Erleiden ihrer Jugendzeit, einer kontinuierlichen Katastrophe aus Lieblosigkeit, Gewalt, Sadismus und bürokratischer Sturheit, aber auch von ihren hilflosen Versuchen, dagegen anzukämpfen. «Steinzeit» ist das Dokument, das unsere mitteleuropäische Wohlstands- und angebliche Menschenrechtsgesellschaft auf schonungslose, erschütternde Weise als Sadogesellschaft entlarvt, die für nicht der diktierten Norm entsprechende Menschen nur bürokratisch gedrillte Anstalten und Institute übrig hat. Mariella Mehrs Aussagen sind, ob sie als Reportagen, als Gedichte, Film oder Theaterstücke erscheinen, immer eindrückliche, wirksame und höchst politische Aussagen, die stets für den Menschen und gegen Macht und Gewalt agitieren. H.U. Ellenberger
Foto: Justine Tanner
Marielh Mehr, geb. 1947 in Zürich. 1975 beginnt sie zu schreiben. In verschiedenen Reportagen und Radiobeiträgen setzt sie sich für Aussenseiter -Zigeuner, Kinder, Frauen, Frauenhäftlinge, Psychiatriepatienten - ein. Bücher bei Zytglogge: «Steinzeit», 1981, «in diesen träum schlendert ein roter findling», 1983, «Das Licht der Frau», 1984, «Kinder der Landstrasse», 1987, «RückBlitze», 1990.
Theaterstücke: «Das ausgeblutete Gewicht. Ein Requiem für Silvia Z.», «Kinder der Landstrasse», «Anni B.», ein Stück über eine Schweizer Spanien-kämpferin.
Um es vorwegzunehmen: Laut meiner Muttersprache, dem Jenischen, bin ich eine Jenische, in der Sprache der Rassenhygiene, beziehungsweise der anthropologischen Wissenschaft: eine Nichtsesshafte, eine Asoziale oder zumindest belastete Erbträgerin einer nichtsesshaften, asozialen Sippe, eine Vagantin also, eine von der Sorte der Untermenschen, eine das Volksganze Schädigende, eine moralisch Schwachsinnige, eine Gemeinschaftsunfähige, eine Tagediebin, notorische Bummlerin, Erbkranke, Minderwertige, Arbeitsscheue, sexuell Verwahrloste, eine Gemeingefährliche, eine Psychopatin, dem Pack zugehörig, das ein Hitler zu Recht eingesperrt und unschädlich gemacht hätte. Man Hess mir und meinen Schwestern und Brüdern nicht einmal un-sern Namen, den Namen unseres Volkes, Jenische.
Vissza