Fülszöveg
W' ährend der polnische Schriftsteller Witold Gombrowicz 1939 per Schiff nach Argentinien reiste, marschierte die deutsche Wehrmacht in Polen ein. Gombrowicz blieb im südamerikanischen Exil und kehrte auch nach dem Krieg nicht in seine Heimat zurück. Vierundzwanzig Jahre verbrachte der Autor in Argentinien, sechs weitere Jahre in Westeuropa. In jener Zeit entstand ein umfangreiches Tagebuch, das den Ungarn István Eörsi zu eigenen Betrachtungen inspirierte. Wie Gombrowicz begreift er sich als Teil einer Minderheit; wie das verehrte polnische Vorbild schöpfte er zwar aus den kulturellen Traditionen seines Landes, doch knüpfte er nicht ausschheßlich an diese an. Jahrelange Isolation und das Exil hatten beiden den Blick geweitet, ließen sie gegen die osteuropäisch-kleinnationale Misere in ihrer Heimat polemisieren. Während Eörsi den Spuren des großen Polen folgt, wird die geistige Verwandtschaft deutlich, dessen Scharfsinn und radikale Kritik setzen ihm den Maßstab. In seinen...
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Fülszöveg
W' ährend der polnische Schriftsteller Witold Gombrowicz 1939 per Schiff nach Argentinien reiste, marschierte die deutsche Wehrmacht in Polen ein. Gombrowicz blieb im südamerikanischen Exil und kehrte auch nach dem Krieg nicht in seine Heimat zurück. Vierundzwanzig Jahre verbrachte der Autor in Argentinien, sechs weitere Jahre in Westeuropa. In jener Zeit entstand ein umfangreiches Tagebuch, das den Ungarn István Eörsi zu eigenen Betrachtungen inspirierte. Wie Gombrowicz begreift er sich als Teil einer Minderheit; wie das verehrte polnische Vorbild schöpfte er zwar aus den kulturellen Traditionen seines Landes, doch knüpfte er nicht ausschheßlich an diese an. Jahrelange Isolation und das Exil hatten beiden den Blick geweitet, ließen sie gegen die osteuropäisch-kleinnationale Misere in ihrer Heimat polemisieren. Während Eörsi den Spuren des großen Polen folgt, wird die geistige Verwandtschaft deutlich, dessen Scharfsinn und radikale Kritik setzen ihm den Maßstab. In seinen Aufzeichnungen vom Umbmch versucht Eörsi ein umfassendes Bild von den heutigen Wegen, Irrwegen und Alternativen in Mitteleuropa zu entwerfen. Immer wieder löst er sich dabei vom Werk Gombrowiczs, um in anderen Zusammenhängen zu ihm zurückzukehren. Aus den Eintragungen spricht der Kosmopolit Eörsi, der in Budapest und Wien genauso zu Haus ist wie in Paris und New York. Er mischt zeitgeschichtliche Exkurse mit belletristischen Versuchen und findet überraschende Parallelen zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Die Werke von Kleist, Kafka, Thomas Mann oder Luis Bunuel sind ihm dabei ebenso vertraut wie die Schriften des Polen Ceslaw Milosz oder die des Ungarn Georg Lukács.
Schutzumschlaggestaltung PEIX, Berlin Foto: Gen Nishino,
photonica, G+J Fotoservice
István Eörsi, Schriftsteiler, Dramaturg und Übersetzer, wurde 1931 in Budapest geboren. Er studierte englische und ungarische Literatur, arbeitete als Lehrer und Journalist. 1956 wurde er wegen der Beteiligung am Ungarn-Aufstand zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, 1960 amnestiert. Er schrieb Theaterstücke, Erzählungen, Gedichte, Essays und sein berühmtes autobiographisches Buch „Erinnerung an die schönen alten Zeiten".
Eörsi lebt in Budapest und Berlin.
Das »Tagebuch« von Witold Gombrowicz gilt als eines der großen literarischen Meisterwerke, oftmals verglichen mit den Aufzeichnungen von Canetti, Frisch oder Gide.
István Eörsi nähert sich dem verehrten Autor auf sensible Weise: bestechend dabei sein Blick auf unsere Zeit und das Wissen um globale Zusammenhänge. George Tabori schrieb nach der Lektüre des Buches über seinen Landsmann: »Im Eörsi habe ich einen Bruder erkannt, einen prächtigen Analytiker«.
Vissza