Fülszöveg
Unruhen, innere, äussere, dies ist das Thema dieses faszinierenden Buches. Damit nicht genug: Kaum je dürfte in der neueren Literatur das Denken, Fühlen, Hoffen und Leiden eines katholischen Pfarrers so unmittelbar ins Wort umgesetzt worden sein wie im Roman des Schweizers Werner Bucher. Und das Erstaunliche: auf keiner Seite kommt der Verdacht auf, man habe es hier mit einem Menschen zu tun, der vergangenen Zeiten nachtrauert. Im Gegenteil, der im aargauischen Freiamt lebende Pfarrer ist ein moderner, im Sinne Pascals sich ausgesetzt und aufgerissen fühlender Mensch, der trotz seinem Glauben täglich mit Geschehnissen und andern Menschen konfrontiert wird, die ihn überfordern. Nicht einmal das Gebet wird zur Stütze, geschweige die öffentliche Anerkennung. Martin Jurt bleibt mit seinen Sorgen (und Freuden) allein, erfährt sich Tag für Tag herausgefordert. Hinzu kommen ständige Auseinandersetzungen mit einer in ihren Strukturen erstarrten Kirche. So sehr Jurt sich überfordert fühlt,...
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Fülszöveg
Unruhen, innere, äussere, dies ist das Thema dieses faszinierenden Buches. Damit nicht genug: Kaum je dürfte in der neueren Literatur das Denken, Fühlen, Hoffen und Leiden eines katholischen Pfarrers so unmittelbar ins Wort umgesetzt worden sein wie im Roman des Schweizers Werner Bucher. Und das Erstaunliche: auf keiner Seite kommt der Verdacht auf, man habe es hier mit einem Menschen zu tun, der vergangenen Zeiten nachtrauert. Im Gegenteil, der im aargauischen Freiamt lebende Pfarrer ist ein moderner, im Sinne Pascals sich ausgesetzt und aufgerissen fühlender Mensch, der trotz seinem Glauben täglich mit Geschehnissen und andern Menschen konfrontiert wird, die ihn überfordern. Nicht einmal das Gebet wird zur Stütze, geschweige die öffentliche Anerkennung. Martin Jurt bleibt mit seinen Sorgen (und Freuden) allein, erfährt sich Tag für Tag herausgefordert. Hinzu kommen ständige Auseinandersetzungen mit einer in ihren Strukturen erstarrten Kirche. So sehr Jurt sich überfordert fühlt, er erfährt auch Landschaften, Gesichter, steigt in fremdes Leid ein und erahnt, dass Lösungen im Hier und Jetzt möglich sind. Und erfreulich für den Leser, die Leserin: ein Autor hat dieses Buch geschrieben, der es versteht, seinen Figuren Leben, Gestalt, Blut und Fleisch zu geben. So gesehen ist «Unruhen» auch ein sinnliches Buch. Ein Buch, das bewegt und wohl jeden, der es liest, von der ersten bis zur letzten Seite fesselt; und die Frage, wie die nähere Zukunft eines Menschen aussieht, der in seiner Offenheit nicht in die Hierarchien einer immobil gewordenen Kirche passt, diese Frage lässt während der Lektüre nicht los und findet schliesslich eine Antwort.
Werner Bucher wurde 1938 in Zürich geboren, ist Luzerner und lebt heute im «Kreuz» im appenzellischen Zelg-Wolfhal-den. Seit 1974 gibt er die Literaturzeitschrift «orte» heraus und führt den gleichnamigen Verlag. Er war längere Zeit als Sportjournalist tätig, hat mehrere Gedichtbände und Romane publiziert. Die wichtigsten Bücher von Bucher: «Tour de Suisse», «Die Wand», «Ein anderes Leben», «Was ist mit Lazarus?» (Romane), «Eigentiicti wunderbar, das Leben », «Noch allerhand zu erledigen», «Das bessere Ende», «einst jetzt morgen», «Wegschleudern die Brillen, die Lügen» und «Wenn der Zechpreller gewinnt» (Gedichte). Das Buch «Urwaldhus, Tierhag, Ochsenhütte & Co., Die schönsten Ostschweizer Beizen und die Wege zu ihnen» hat er zusammen mit René Sommer verfasst.
Schutzumschlag: Romanische Kirche aus dem 11. Jahrhundert von St-Hymetiere bei Arinthod im Französischen Jura.
Vissza